Die Schüler:innen setzen sich anhand eines aktuellen gesellschaftlichen und juristischen Konflikts mit der Frage auseinander, ob Femizide in Deutschland härter bestraft werden sollten. Ausgehend von einem BILD-Artikel analysieren sie zunächst die mediale Darstellung eines Frauenmordes und reflektieren, wie Sprache und gesellschaftliche Vorstellungen solche Taten beeinflussen. Anschließend erarbeiten sie die aktuelle Rechtslage zu Femiziden sowie unterschiedliche Positionen zur Forderung nach einem eigenen Mordmerkmal. Dabei setzen sie sich mit dem Spannungsfeld zwischen Strafrecht, gesellschaftlichen Rollenbildern und struktureller Gewalt gegen Frauen auseinander.
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Ablaufplan für den Unterricht
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Lernziele:
Die Schüler:innen …
erklären den Begriff „Femizid“ und die aktuelle Rechtslage in Deutschland
setzen sich mit unterschiedlichen Positionen zur Verschärfung des Strafrechts auseinander
reflektieren gesellschaftliche Rollenbilder und strukturelle Gewalt
entwickeln ein differenziertes Urteil zu der Frage, ob Femizide härter bestraft werden sollten
Unterrichtsablauf:
Zu Beginn der Stunde analysieren die Schüler:innen einen aktuellen BILD-Artikel über die Tötung einer Frau durch ihren Ehemann. Sie untersuchen, wie Täter und Opfer dargestellt werden, welche Gründe für die Tat genannt werden und inwiefern die Tat möglicherweise relativiert wird. Anschließend werden die Beobachtungen im Plenum gesammelt und erste Vermutungen darüber formuliert, warum solche Taten häufig als „Beziehungsdramen“ wahrgenommen werden.
Darauf aufbauend erarbeiten die Schüler:innen mithilfe eines Informationstextes den Begriff „Femizid“, die aktuelle rechtliche Einordnung solcher Taten sowie den Unterschied zwischen Mord und Totschlag. Zudem setzen sie sich mit dem Mordmerkmal der „niedrigen Beweggründe“ und dem Vorschlag von Bundesjustizministerin Stefanie Hubig auseinander, Femizide künftig häufiger als Mord zu bestrafen.
Im nächsten Schritt arbeiten die Schüler:innen arbeitsteilig mit verschiedenen Perspektivtexten. Sie sammeln Argumente für und gegen ein eigenes Mordmerkmal „Femizid“ und tauschen ihre Ergebnisse anschließend miteinander aus. Dabei diskutieren sie sowohl juristische als auch gesellschaftliche Argumente und reflektieren die Frage, ob neue Gesetze tatsächlich zu einem besseren Schutz von Frauen beitragen können.
In einer Vertiefungsphase setzen sich die Schüler:innen mit einem Zitat des Deutschen Juristinnenbundes auseinander und diskutieren, ob das eigentliche Problem weniger im Strafrecht als vielmehr im gesellschaftlichen Umgang mit Gewalt gegen Frauen liegt. Dabei greifen sie erneut auf den Einstieg zurück und reflektieren die Rolle von Sprache, Rollenbildern und medialer Darstellung. Abschließend formulieren die Schüler:innen ein eigenes begründetes Urteil zur Debattenfrage.
Details
Bildungsebene
Sekundarstufe I & II
Bildungswege
Gymnasium, Realschule, Gesamtschule, Berufsbildende Schule
Bildungsfeld / Fachbereich
Politik & Gesellschaft
Qualifikationen / Lehrplanthema
Sachkompetenz (Kenntnisse über Femizide und aktuelle rechtliche Debatten, Verständnis juristischer Grundbegriffe (Mord, Totschlag, niedrige Beweggründe)), Urteilskompetenz (Abwägen juristischer und gesellschaftlicher Argumente, Reflexion von Rollenbildern und gesellschaftlichen Machtstrukturen, Entwicklung eines eigenen begründeten Urteils) / Recht und Gerechtigkeit, Gewalt gegen Frauen, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Machtstrukturen, Medien und Sprache, Strafrecht und gesellschaftlicher Wandel
Klassenstufe
Klassen 10-12
Zeitrahmen
90 Minuten
Bildungsregion
Deutschland
aktualisiert am:
veröffentlicht am
09.06.2026
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