Gespräche mit 139 Wählern vor den Landtagswahlen in Sachsen zeigen, viele Befragte empfinden Wut und Angst gegenüber politisch Andersdenkenden - manche sogar Hass. Eine Ursache könnte die Mediennutzung sein.

MEDIENKOMPASS SACHSEN

FÜHRT EINSEITIGE MEDIENNUTZUNG ZU WUT UND HASS?

ÜBER DEN

MEDIENKOMPASS

Das Projekt Medienkompass haben wir gestartet, weil wir einer großen Frage auf der Spur sind.  Wieso ist die Gesellschaft so gespalten? Könnte die Art, wie wir Medien nutzen, damit zusammenhängen? Und: Was können wir tun, um wieder konstruktiv miteinander umzugehen? Antworten geliefert haben uns 139 Wähler aus ganz Sachsen und Politiker aller Parteien.

In diesem Video berichten die Gründer von The Buzzard, Felix Friedrich und Dario Nassal, von ihren Erfahrungen, fassen die Erlebnisse der Sachsen-Tour zusammen und zeigen, welche Antworten die Politiker der einzelnen Parteien auf ihre Fragen hatten.

Die 139 Befragten haben angegeben, dass sie kaum Medien nutzen, die ihrer eigenen politischen Weltanschauung entgegenstehen.

EINSEITIGE MEDIENNUTZUNG

Die vollständige Grafik erweitert die Übersicht zur Mediennutzung durch vier weitere Kategorien: Neben linken, rechts-konservativen und liberalen Medien werden auch regionale und fremdsprachige Medien sowie Medien der Mitte und der Minderheiten in die Auswertung miteinbezogen.

Die Klassifizierung der Medien erfolgte anhand der Einordnung von der Online-Presseschau euro|topics, einem Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung. Details zur Vorgehensweise finden sich in der Detailauswertung.

Anteil der Mediennutzung im letzten Monat (in %), nach Parteizugehörigkeit.

Welche Medienkategorien sonst noch von den einzelnen Gruppen gelesen werden, zeigt unsere Grafik in der Detailauswertung.

Unser Team war bei Wahlkampfveranstaltungen der AfD, CDU, FDP, Grünen, Linkspartei und SPD dabei und hat mit Wählern des ganzen politischen Meinungsspektrums Interviews durchgeführt.

139

STANDARDISIERTE
INTERVIEWS

Bei der Tour durch Sachsen wurden 139 Menschen befragt. In der Auswertung wurden sie nach ihrer politischen Einstellung gegliedert. Diese wurde durch die Antwort auf die Frage bestimmt, welche Partei die Befragten bei den Landtagswahlen in Sachsen wählen würden, wenn heute Landtagswahl wäre.

DETAILS

ZUR BEFRAGUNG

Wir waren in ganz Sachsen unterwegs, in ländlichen Gemeinden und in den Metropolen, u.a. in Görlitz, Neißeaue, Bautzen, Riesa, Großbothen, Limbach-Oberfrohna sowie Dresden und Leipzig.

12

SÄCHSISCHE

STÄDTE

Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, lassen aber erstmals einen größeren Zusammenhang zwischen Filterblasen in der Mediennutzung und der politischen Polarisierung in Sachsen erahnen. Ein Befund, der zum Nachdenken anregt.

Antworten

DIE

AUFRÜTTELN

25 Menschen gaben an, die Linke zu wählen, 11 Menschen gaben an, die FDP zu wählen, 17 Menschen gaben an, die SPD zu wählen, 20 die AfD, 25 die CDU und 26 Menschen die Grünen. 5 Menschen gaben an, andere Parteien zu wählen, 10 gaben keine Antwort auf die Frage.

MANCHE SPÜREN HASS

Wut und Angst gegenüber politisch Andersdenkenden (siehe Ergebnisse) ist unter den Befragten in Sachsen parteienübergreifend verbreitet. Hass ist am stärksten ausgeprägt an den politischen Rändern.

PARTEISPEZIFISCHE AUSWERTUNGEN

Die Mediennutzung und die Einstellungen gegenüber politisch Andersdenkenden sind teilweise stark unterschiedlich, je nachdem, welcher Partei die Befragten angehören. Pro Partei haben wir sieben Info-Grafiken aufbereitet, die u.a. zeigen, welche Medien die Befragten am neutralsten und welche am einseitigsten finden. Außerdem wird deutlich, wie stark Wut, Angst und Hass gegenüber Andersdenkenden ausgeprägt ist.

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ALLE ANTWORTEN DER BEFRAGTEN FINDEST DU HIER

  • PARTEISPEZIFISCHE AUSWERTUNGEN
  • DIAGRAMME ZUM DOWNLOAD
  • SACHSENWEITE ERGEBNISSE
  • PARTEIEN IM VERGLEICH

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DAS TEAM

Felix Friedrich ist Geschäftsführer und Gründer des Debatten-Portals The Buzzard. Er hat Politikwissenschaft und Politische Philosophie in Mannheim, Dublin und Barcelona studiert. Als Journalist arbeitete er u.a. für den Mannheimer Morgen, den Politik-Sender Phoenix und RTL Hessen. 


“Als ich vor zwei Jahren mit Dario die allererste Version des Debatten-Portals von The Buzzard startete, war das ein Test, ein Versuch, um etwas zu tun gegen die Polarisierung in unserer Welt. Zwei Jahre später hat sich die Situation noch verschlimmert. Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg müssen uns wachrütteln. Wir dürfen nicht einfach so weitermachen, sondern wir müssen uns mit den Motiven, Ängsten und Bedürfnissen von Menschen in unserer Gesellschaft ernsthaft auseinandersetzen, egal ob von links oder von rechts. Denn Ausgrenzung sät Wut und Hass. Wir haben das Projekt “Medienkompass Sachsen” in die Wege geleitet, um die Größe des Problems zu analysieren und Menschen zum Nachdenken anzuregen: Wie viele verschiedene Medien nutze ich regelmäßig? Lenkt meine Mediennutzung meinen Blick auf die Wirklichkeit? Und: Sollte ich mich häufiger mit den Motiven von Andersdenkenden auseinandersetzen?”

Felix Friedrich

Dario Nassal ist Geschäftsführer und Gründer von The Buzzard. Er wohnt in Leipzig, hat Politikwissenschaften und Internationale Beziehungen in Mannheim, Istanbul und Amsterdam studiert und nebenher für Süddeutsche Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Mannheimer Morgen geschrieben. 


“Während des Studiums habe ich gemeinsam mit Felix das Debattenportal The Buzzard gegründet. Meine Motivation dahinter ist, einen digitalen Raum zu schaffen, der hilft, die Meinung von Andersdenkenden besser zu verstehen. Ich halte es für eines der zentralen Probleme unserer Zeit, dass immer mehr Menschen in ihrem eigenen Kosmos leben und kein Verständnis mehr haben für Menschen, die anders denken als sie selbst. Die Debatten unserer Zeit sind vergiftet. Und das hindert uns daran, große Herausforderungen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit und globale Migration konstruktiv zu lösen. Meine Motivation ist, einen Journalismus zu schaffen, der daran etwas verändert. Ein Journalismus, der nicht Stereotypen bestätigt, sondern hilft, die Motive von Andersdenkenden wirklich besser zu verstehen. Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg haben einmal mehr gezeigt: Das war nie wichtiger als jetzt. 

Dario Nassal

Julia Horn hat in Konstanz am Bodensee Literatur-Kunst-Medien studiert und währenddessen für das Hochschulmagazin Campuls sowie den Südkurier geschrieben. In Leipzig macht sie seit letztem Jahr einen Master in Journalismus. Arbeitserfahrung sammelt sie neben der Uni als freie Mitarbeiterin für verschiedene Medien, darunter das Stadtmagazin Urbanite, die Leipziger Volkszeitung und als Praktikantin bei The Buzzard.


“Als Journalistin interessiere ich mich dafür, was Menschen antreibt - welche Motive sie haben, um auf eine bestimmte Art und Weise zu handeln. Beim Projekt “Medienkompass Sachsen” geht es genau darum: Mit Menschen ins Gespräch zu kommen, ihre Beweggründe zu verstehen. Gerade in Zeiten zunehmender Polarisierung empfinde ich das als sehr wichtig. Was ich mitgenommen habe: Durch das Projekt wurde mir nochmal stärker bewusst, dass auch ich in einer Filterblase lebe. Ich tausche mich vor allem mit Menschen aus, die eine ähnliche Meinung vertreten wie ich. Auch geografisch kann man von einer Blase sprechen: Außerhalb von Leipzig, in den ländlichen Gebieten gen Osten, herrscht zum Teil eine ganz andere Stimmung als in der Großstadt.”

Julia Horn

Moritz Fehrle ist freier Mitarbeiter für The Buzzard. Er studiert Geschichte und Anglistik.


“Der Medienkompass war für mich die längst fällige intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Lebenswelten in Sachsen. Denn so ehrlich muss man sich selbst gegenüber sein: mit einem geisteswissenschaftlichen Studium in Leipzig kommt man mit diesen nun einmal nur bedingt in Kontakt. Eine einfache Lösung für Filterblasen oder ein Rezept für den perfekten Umgang mit politisch Andersdenkenden habe ich von der Tour naturgemäß nicht mitgebracht, Denkanstöße habe ich allerdings reichlich gesammelt. In unserer hitzigen Zeit kommen wir schnell mit Daten und Argumenten daher, die das Gegenüber zum Schweigen bringen sollen. Ihn oder sie wirklich ausreden zu lassen, scheint ebenso unerwünscht wie eine Überprüfung, woher unsere Totschlagargumente eigentlich kommen. Die Reise durch Sachsen hat mich in der Ansicht bestärkt, dass wir uns mit unserer Informationsbeschaffung auseinandersetzen müssen und auch auf die unterliegenden Beweggründe anderer Menschen eingehen müssen. Ein politischer Mensch mit eigener Meinung kann man damit trotzdem bleiben.”

Moritz Fehrle

Nadja Bascheck ist freie Mitarbeiterin bei The Buzzard. Sie wurde in Düsseldorf geboren und hat dort Germanistik und Philosophie studiert. 2016 kam ich für den Master Journalistik nach Leipzig. Im Oktober beginnt sie ein Volontariat beim WDR, bisher hat sie als freie Journalistin u.a. für Deutschlandfunk Kultur und den Tagesspiegel gearbeitet.


“Seit ich in Leipzig lebe, setze ich mich intensiver mit der deutschen Geschichte und den Unterschieden zwischen Ost und West auseinander. Als Nachwendekind habe ich das damals kaum wahrgenommen. Ich wünsche mir, dass wir uns gegenseitig besser zuhören statt uns ins Wort zu fallen und Gespräche nicht von vornherein ablehnen, wenn uns die politische Meinung des Gegenübers nicht passt. Als Journalistin gehört das zu meinem Job – und den mache ich sehr gerne.”

Nadja Bascheck

In Zeiten von Filterblasen und Hass im Netz brauchen wir Räume für sachlichen Austausch und breite Meinungsbildung.

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